Kirchenführer

  ST. JAKOBI KIRCHE

Hanstedt
 


Seit 1371 ist Hanstedt eine selbständige Kirchengemeinde. Bis dahin gehörte sie zu Salzhausen. In katholischer Zeit stand die Hanstedter Kirche unter dem Patrozinium(Schutz) des Jacobus des Älteren als einzige im Landkreis Harburg. Im Zuge der Reformation - in der Lüneburger Heide 1527-29 durch Herzog Ernst den Bekenner eingeführt - wurde Hanstedt evangelisch. Die heutige gotische Backsteinkirche wurde 1881/82 erbaut. Im Jahre 1880 wurde der Architekt F.A.L. Wagner in Winsen/Luhe vom Kirchenvorstand mit dem „Riß der zu erbauenden Kirche“ beauftragt, welcher anschließend vom Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase in Hannover genehmigt wurde. Die Bauleitung hatte der Architekt Eduard Wendebourg, der während der Bauzeit bei Pastor Wilhelm Wecken wohnte. Nach Fertigstellung der Kirche wurde die baufällig gewordene kleine Feldsteinkirche abgetragen. Funde beim Abriss belegen, dass es bereits um 1300 eine Kirche in Hanstedt gegeben hat. Die einschiffige Kirche mit Lang- und Querhaus bieten ca. 550 Personen Platz.


Der 36 m hohe Turm hat einen achteckigen Helm mit 4 Ecktürmen. Das Kupferdach wurde im Jahre 2007 erneuert. Zwei Glocken bilden das Geläut. Die kleine Glocke aus dem Jahre 1821. Die große Glocke aus demselben Jahr musste im 2. Weltkrieg  abgeliefert werden. 1951 konnte die neue große Glocke geweiht werden. Renovierungen der Kirche wurden in den Jahren 1920, 1956 und 1982 durchgeführt.

 

Das Altarbild (1654)

 

Im unteren Bereich ist auf einem Relief das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern dargestellt. Es ist ein sehr lebendiges Bild. Einige Jünger schauen voll Erwartung auf ihren Herrn, andere hören mit gesammeltem Geist auf Jesu Wort. Jesus selbst hält in einer Hand das Brot, daneben steht die Kanne mit Wein; die rechte Hand hält er segnend über die Gaben.


 



Darüber sehen wir auf einem Relief die Kreuzigung JesuJesu Kreuz ist wie ein Triumphkreuz. Auf seinem Antlitz liegt nicht, wie auf dem Bild von Grünewald, die grausamste Verzweiflung eines zu Tode gefolterten und gequälten Menschen, sondern etwas von dem, was Jesus seinen Jüngern vor dem Tode gesagt hat: „Ich habe die Welt überwunden“; und im Sterben: „Es ist vollbracht“. Jesus trägt noch die Dornenkrone, aber um sie herum ist ein Kranz von Sonnenstrahlen. Einer der beiden Männer, die mit ihm gekreuzigt sind, hängt an einem schrecklichen Balken und ist von Wolken bedeckt. Sein Gesicht ist unkenntlich - ein Mensch ohne Gott, ohne Liebe, ohne Frieden - tot. Über dem anderen verteilen sich die Wolken, und über ihm geht die Sonne auf, die auf dem Bilde wie das Gesicht eines Kindes aussieht. Es ist gewiss kindlich, aber sehr anschaulich dargestellt. Wie groß der Unterschied ist zwischen dem um seiner Schuld willen zum Tode Verurteilten, der bis zum letzten Augenblick flucht und spottet, und dem Zweiten, der sich zu seiner Schuld bekennt und Jesus bittet: „Gedenke an mich, wenn Du in dein Reich kommst“. Unter dem Kreuz steht Jesu Mutter. Es ist geschehen, was ihr bei der Darstellung ihres Kindes im Tempel der alte Simeon gesagt hat: „Auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen“. Neben ihr steht Johannes. Er hat sein Leben in Jesu Dienst verzehrt und Tag für Tag aus Jesu Liebe gelebt. Und nun hängt Jesus am Kreuz und ist tot! Eine andere Frau umfasst den Kreuzesstamm. Mit dem Tode Jesu ist ihr Leben zerbrochen. Auf der anderen Seite des Bildes sitzt der Hauptmann zu Pferde , der den Befehl gegeben hat, das Todesurteil zu vollstrecken. Er erkennt in der Todesstunde: „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen“. Ein Kriegsknecht neben ihm scheint Jesu eine letzte Wohltat zu erweisen - er tut so, als ob er Jesu Durst stillen will und gibt ihm Essig zu trinken. An der linken Seite des Altars ist Isaak dargestellt. Gott hat seinen Vater Abraham auf die Glaubensprobe gestellt, ob er seinen Sohn lieber hätte als seinen Gott. Der Vater ist bereit, seinen Sohn zu opfern. Gott aber nimmt sein Opfer nicht an. An die Stelle des Menschen tritt ein Tier. Das Opfer ist ein Lamm. Gott selbst aber# hat seinen Sohn geopfert, und sein Sohn hat sein Leben für uns gegeben. Diese Heilstat Gottes wird in der Bibel mit den Worten beschrieben: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben “. Noch heute singt die christliche Gemeinde: „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd´ der Welt.“ Über dem Altarbild sehen wir einen Pelikan, der seine Brust mit seinem Schnabel aufreißt und mit seinem eigenen Blut seine Jungen nährt. Der Pelikan ist ein Symbol für den Opfertod Jesu Christi. Auf der rechten Altarseite ist Melchisedek , der „König von Salem“ und „Priester des Höchsten Gottes“. Er ist der erste überhaupt in der Bibel erwähnte Priester. Für sein Opfer verwendet er Brot und Wein, nicht Fleisch von Opfertieren, wie die späteren Priester des Alten Testaments. Er deutet so symbolisch auf Jesus Christus und die von Ihm gestiftete Eucharistie als Opfermahl.

Die Fenster im Chorraum (1930)

Das linke Fenster: Bischof Friedrich von Honstede (später: Hanstedt), der 35. Bischof des Stiftes Verden und möglicherweise an der Gründung unserer Kirche um 1300 beteiligt. Neben ihm steht Paulus mit Schwert und Buch. Es soll wohl ausgedrückt werden: Das Schwert des Geistes ist das Wort Gottes.

Das mittlere Fenster (siehe Bild) stellt die Verklärung Jesu dar. Unter den drei Jüngern ist Jakobus besonders hervorgehoben, denn nach ihm ist unsere Kirche benannt. Unter dem Bild stehen die Worte: „Wir sahen seine Herrlichkeit“.

                                                 


Das rechte Fenster zeigt Elisabeth von Thüringen in guter katholischer Auffassung als Heilige und Maria als Königin des Himmels mit Krone und Zepter und blauem Himmelsmantel.


 

 

Holzrelief von Max Schegulla (1989)

 

                                             Das zentrale Bild zeigt die Taufe Jesu, umgeben von sieben Szenen aus dem Leben Jesu: Die Verkündigung des Engels an
                                             die Jungfrau Maria, die Geburt im Stall mit Krippe in Kreuzform, der bethlehemitische Kindermord, die Flucht nach Ägypten,
                                             der zwölfjährige Jesus unter den Gelehrten zwischen dem Alten und Neuen, zwischen Thora und Opferlamm, die
                                             Auferweckung Lazarus und die Gefangennahme.

 

 

 

 

 

 

Die Apostelbilder (Beginn des 18. Jh., Maler unbekannt)

 

an der Nordwand des Langhauses stammen aus der alten Kirche. Nach einer aufwändigen Restaurierung konnten sie 1996 hier aufgehängt werden.
Das zugehörige Christusbild hängt im Altarraum neben der Kanzel.

 

 

Die Orgel

 

Die heute in der Kirche befindliche Orgel wurde von der Orgelbaufirma Emil Hammer aus Arnum bei Hannover in mehreren Abschnitten gebaut:

- Abschnitt l  (1969): vollständiges Hauptwerk und ein Pedalregister
- Abschnitt 2 (1980): 9 Register im Rückpositiv und 4 Register im Pedal
- Abschnitt 3 (1987): Hauptwerk, Pedalwerk und Rückpositiv mit jeweils 9 Registern fertig
- Abschnitt 4 (1998): Brustwerk mit 6 Registern

Die Orgel verfügt jetzt über 33 Register und 2 Tremulanten. Sie ist die zweitgrößte Orgel im Kirchenkreis Winsen/Luhe. Ihre Klangvielfalt ist auch
bei den beliebten Konzerten zur Heideblüte und bei den verschiedenen Stiftungskonzerten zu hören.